Brauchtum in Düsseldorf
"Fast alles, was wir heute in Düsseldorf feiern und was den Ablauf unserer jährlichen Feiertage bestimmt, lässt sich auf die Biographie von Jesus Christus zurückführen. Eine kühne Behauptung, aber bei der Beschäftigung mit dem Thema „Brauchtum, Sitten und Gebräuche in Düsseldorf“ wird sie immer wieder zum roten Faden. Sicherlich haben manche Feierlichkeiten auch Hintergründe, die ursprünglich nicht vom Christentum geprägt waren. Nachdem die Kirche aber Feste in eine kalendarische staatsreligiöse Struktur gebracht hatte und nur noch wenige unkirchliche Brauchtümer übrig blieben, gibt der Lebens- und Leidensweg Jesu die Feiertagsabläufe vor.
Man könnte fast behaupten, dass lediglich der Düsseldorfer Radschläger ein Brauchtum ist, das nicht religiös geprägt ist. Doch ganz ähnlich verhält es sich mit familiär gebundenen Festen und individuellen Geburtstagen.
„Ohne Ostern gibt es kein Weihnachten“, sagte ein Pastor bei einer Weihnachtsmesse und deutete auf einige bunte Ostereier, die den Tannenbaum neben dem Altar schmückten. Die Gemeinde hatte sich schon gewundert, den Baum in dieser Weise geschmückt zu sehen, und vor allem die Kinder fragten sich erstaunt, was Osterhase und Weihnachtsmann denn gemeinsam haben, außer dass es beide auch aus Schokolade gibt.




Hätte niemand über den Leidensweg Jesu berichtet, über seine Kreuzigung, seine Auferstehung und die Dankbarkeit und Freude der Christen über die Hoffnung, die er den Menschen viele Jahrhunderte lang gab –, niemand hätte sich um die Geburt eines Zimmermannssohnes gekümmert, und auch die Anbetung durch drei weise Männer wäre folgenlos geblieben. Vielen ist nicht mehr bewusst, dass es Weihnachten ohne Ostern, dem Fest der Kreuzigung und Auferstehung, wohl nicht gäbe. Auch der Rosenmontagszug mitsamt Kamelleregen wäre vermutlich woanders erfunden worden, denn die Fastenzeit in ihrer ursprünglichen Form gäbe es dann nicht.
Woche für Woche feiern wir in alter Gewohnheit einen Tag, dessen Bedeutung seit mehr als 2.000 Jahren unmittelbar mit der Bibelgeschichte verbunden ist. Jeden Sonntag machen uns Kirchenglocken bewusst, dass dieser „Tag des Herren“ den Ruhetag Gottes in der biblischen Schöpfungsgeschichte symbolisiert: „Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke beschicken. Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes, da sollst du kein Werk tun, weder du, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der in deinen Toren ist.“
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Um uns den Sinn, den Anlass und den Ursprung eines besonderen Tages immer wieder bewusst zu machen, wird gefeiert. Überall auf der Welt wird so die Wichtigkeit ausgedrückt, dass uns bestimmte Ereignisse auf lange Sicht beeinflusst haben, sei es aus freudigen oder traurigen oder denkwürdigen Anlässen.
Woher beziehen wir unsere Sitten und Gebräuche? Aus mündlichen und schriftlichen Überlieferungen, die religiös, familiär oder jahreszeitlich geprägt sind, Ursprünge erkennen lassen und so fester Bestandteil des gesellschaftlichen oder individuellen Lebens werden. Nicht ohne Grund leitet sich das Wort Brauchtum vom Verb brauchen ab, wir brauchen etwas, um uns Erinnerungen näherzubringen und sie weitergeben zu können.
Die Feste wurden immer von weltlichen Gelagen („Jelooch“) begleitet. Man saß zusammen, es wurde gegessen, getrunken und manchmal auch ausgelassen getanzt, gesungen oder gespielt.
In unserer Region stehen viele Bräuche in direktem Zusammenhang mit christlichen Festen und sind in ihrem Datum von ihnen abhängig. So findet Fastnacht immer 40 Tage vor Ostern statt und das wiederum 50 Tage vor Pfingsten. Ähnlich verhält es sich im Judentum mit Passah-Fest, Chanukka oder Torafest oder im Islam mit dem Fastenmonat Ramadan, dem Opferfest Id ul-Adha oder dem Geburtstag des Propheten Mawlid an-Nabi.
Politische und kalendarische Feiertage finden in jedem Jahr am gleichen Datum statt, sie ergeben sich aus dem Kalenderdatum, z. B. Neujahr, Tag der Arbeit, Tag der Deutschen Einheit, Weihnachten. Diesen festen Feiertagen stehen die beweglichen Feiertage gegenüber: Ostern, Pfingsten u. a. Sie errechnen sich im christlichen Kirchenjahr aufgrund des Mondkalenders und haben jedes Jahr ein anderes Datum.
Das neue Portal „Brauchtum“ soll neben den Fotos mit Düsseldorf-Bezug (!!) gerne auch Texte zu den einzelnen Brauchtümern und festlichen Anlässen enthalten. Auch können hier wieder Vereine mit Ihren Archivfotos die schönen Brauchtümer unserer Region illustrieren."
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Die Texte entstammt der Publikation "... immer wieder sonntags. Bräuche in Düsseldorf und Umgebung" von Thomas Bernhardt und ist vom Autor sowie dem Sutton-Verlag zur Verfügung gestellt worden (© Sutton Verlag).
Thomas Bernhardt Bräuche in Düsseldorf und Umgebung" 126 Seiten, 60 Bilder, Sutton Verlag, 2008 |








