Der Künstlerverein Malkasten
Während der revolutionären Wirren des Jahres 1848 gründeten 112 Künstler einen Verein für „geselliges Künstlerleben“. Sie gaben ihm den Namen „Malkasten“. Gleichberechtigt wie die Farben in einem Malkasten, so sollten Künstler und Nichtkünstler miteinander einen geselligen und toleranten Gedankenaustausch pflegen. Der Malkasten stellte dadurch auch einen attraktiven Anziehungspunkt für die internationale Düsseldorfer Künstlerschaft dar.
Höhepunkte der geselligen Zusammenkünfte waren die feierlichen Umzüge beim Wechsel des Vereinslokals, die Karnevalsredoute und das jährliche Stiftungsfest. Gestaltet wurden die Feste unter Beteiligung von bildenden Künstlern, Musikern, Dichtern und Schriftstellern. Nachdem die angemieteten Lokale durch den Mitgliederzuwachs zu klein worden waren, gelang es durch eine Verlosung von Kunstwerken nicht nur das historische Anwesen der Familie Jacobi als ständigen Vereinssitz zu erwerben, sondern darüber hinaus ein eigenes Gesellschaftshaus zu bauen.
Die Einweihung des Hauses 1867 bildete den Auftakt einer Reihe von Veranstaltungen, die den Malkasten zum zentralen Sammelpunkt der Düsseldorfer Gesellschaft werden ließen. Der Garten mit seinen historischen Gebäuden, dem Düsselbach und Venusteich bot nun Raum und Hintergrund für phantasievolle Künstlerfeste, die weit über die Grenzen Düsseldorfs bekannt wurden.
Auch während der gesellschaftlichen und künstlerischen Entwicklungen im Laufe des 20. Jahrhunderts und trotz der Folgen der beiden Weltkriege gelang es dem Malkasten, vor allem mit der Wiederherstellung seiner Vereinsgebäude in den 1950er Jahren, an seine lokale und überregionale Bedeutung anzuknüpfen.
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| Vereinsgebäude | Altes Vereinhaus bis 1943 | Hentrich-Haus |
Jacobi-Haus |
Das Gebäude
Bereits acht Jahre nach seiner Gründung bemühte sich der Malkasten um einen festen Standort in Düsseldorf. Im Jahre 1861 gelang es ihm, das Jacobi’sche Anwesen in Pempelfort am Rande des Hofgartens zu erwerben. Der Malkasten verhinderte dadurch die drohende Zerstückelung der historisch gewachsenen Parkanlage und schuf die Grundlage für die Erinnerung an den Philosophen Friedrich Heinrich Jacobi (1743-1819). Um ihn hatte sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein bedeutender Freundeskreis gebildet, der das Anwesen zu einem bekannten Treffpunkt für „Dichter und Denker“ werden ließ. Neben Johann Wolfgang von Goethe (1774 und 1792) hielten sich u. a. Christoph Martin Wieland und Johann Gottfried Herder sowie Alexander und Wilhelm von Humboldt in Pempelfort auf.
Das Jacobihaus stellt den Kern des ehemaligen Familiensitzes dar, in dessen unmittelbarer Nähe der Malkasten 1864-67 sein repräsentatives Vereinsgebäude errichtete.
Nach Zerstörung der Baulichkeiten im Sommer 1943 konnte bereits im November 1947 mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Das 1954 eingeweihte Saalgebäude (Hentrichbau) entstand nach Plänen der Architektengemeinschaft von Helmut Hentrich und Hans Heuser. Es steht heute ebenso wie das Jacobihaus unter Denkmalschutz. Seit September 2008 wird der neu gestaltete Vorplatz des Hentrichhauses als Skulpturenforum genutzt.
Der Malkasten pflegt somit seit mehr als 150 Jahren seinen einzigartigen Standort in Düsseldorf und hat nach wie vor als Vereinszweck den „Erhalt des Jacobihauses und des dazugehörigen Malkastenparks“ in seiner Satzung verankert.
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| Skulpturenplatz | Gartenansicht | Treppenhaus | Fest 1930 |
Der Malkastenpark (Jacobigarten)
Der an der nördlichen Düssel in Pempelfort gelegene Garten geht aus dem ländlichen Anwesen der Kaufmannsfamilie Jacobi hervor. Seit Beginn des 18. Jahrhunderts verbrachte die Familie hier, außerhalb der Stadtgrenze, die Sommermonate und betrieb auf dem Gelände zeitweise auch eine Zuckerfabrik. Der Philosoph Friedrich Heinrich Jacobi ließ sich 1788 dauerhaft in seinem Landhaus nieder und gestaltete gegen 1790 den älteren, barocken Park in eine Anlage mit Merkmalen des englischen Landschaftsgartens um. Dieser private Park, der sich in Nachbarschaft des Schlosses Jägerhof und in direkter Nähe des Hofgartens befindet, wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem gefragten Spekulationsobjekt. 1861 erwarb der Malkasten das Parkgrundstück und nutzte es auch für aufwändige Veranstaltungen. Einen Höhepunkt stellte das Festprogramm anlässlich der Anwesenheit Kaiser Wilhelms I. im Jahre 1877 dar. In den 1950er Jahren wurde der Park durch den Gartenarchitekten Roland Weber als Landschafts- und Gesellschaftsgarten wiederhergestellt. Die letzte grundlegende Sanierung der unter Denkmalschutz stehenden Anlage, einschließlich der Düsselbrücken und des Venusteichs, schloss 2009 ab. Dabei entstand u. a. auch die Gartenvitrine, in der Wechselausstellungen zu sehen sind. Der nunmehr zeitweise öffentlich zugängliche Park lädt heute wie zu Jacobis Zeiten zum Verweilen in der Natur sowie zur Begegnung mit historischen Gartendenkmälern und zeitgenössischer Kunst ein.
Johann Wolfgang von Goethe (1774):
„Wir gelangten nach Düsseldorf und von da nach Pempelfort, dem angenehmsten und heitersten Aufenthalt, wo ein geräumiges Wohngebäude, an weite wohlunterhaltene Gärten stoßend, einen sinnigen und sittigen Kreis versammelte. Die Familienmitglieder waren zahlreich und an Fremden fehlte es nie, die sich in diesen reichlichen und angenehmen Verhältnissen gar wohl gefielen.“











