Susanne Behr
"Seitdem ich fotografiere, sehe ich die Welt mit anderen Augen. Dinge, an denen man früher achtlos vorüber gegangen ist, bekommen auf einmal einen anderen Stellenwert. Man entdeckt das Schöne im Alltäglichen und stellt fest, dass eine kleine Änderung des Blickwinkels oft ein völlig neues Bild ergibt."
"Schon während meiner Schulzeit hat mich die Fotografie fasziniert. In der Oberstufe (1981) war ich Mitglied einer Foto-AG. Wir haben damals u.a. Fotos (schwarz-weiß) selber vergrößert. Das war immer eine aufregende Angelegenheit: Zunächst wurde mit Hilfe von Probestreifen die Belichtungszeit ermittelt, dann wurde das Papier entsprechend belichtet, kam in den Behälter mit dem Entwickler, ins Fixier- und schließlich ins Wasserbad. Zuletzt wurden die Bilder an einer Wäscheleine zum Trocknen aufgehängt. Ich fand es immer spannend zu sehen, wie sich aus einem weißen Blatt Papier in der Entwicklerflüssigkeit so langsam ein Foto heraus kristallisierte. Zunächst sah man nur einige Linien, dann wurde das Bild klarer und zuletzt musste man entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt gekommen war, das Foto aus der Flüssigkeit zu nehmen. Das alles hat mir viel Spaß gemacht und so habe ich nach der Schulzeit einen Vergrößerungsapparat erstanden und mein Badezimmer zeitweise in eine Dunkelkammer verwandelt. Doch mit der Zeit kamen andere Interessen und die Fotografie trat für viele Jahre in den Hintergrund.
1997 wurde ich zunächst auf andere Weise kreativ. Ich begann mit der Malerei und habe meine Bilder seitdem in zahlreichen Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen gezeigt.
Das Interesse an der Fotografie wurde Anfang 2010 durch meinen Hund wieder geweckt. Australian Shepherds brauchen viel Bewegung und so waren bzw. sind wir täglich 3 – 4 Stunden unterwegs. Bei den langen Spaziergängen habe ich viele interessante Dinge gesehen und mich oft geärgert, dass ich keine Kamera zur Hand hatte. Anfangs habe ich versucht, die Motive mit der Handykamera einzufangen, doch ich habe bald gemerkt, dass ich bestimmte Blickwinkel mit einer solchen Kamera nicht realisieren konnte. Ich habe eine kleine, leichte Kamera gesucht und mich Anfang Dezember 2010 für eine Panasonic Lumix TZ10 entschieden. Seitdem bin ich quasi „fotosüchtig“. Die Kamera ist immer dabei und ich habe festgestellt, dass ich seitdem mit ganz anderen Augen durch die Welt gehe.
Für mich gibt es keine „Lieblingsmotive“, aber ich mag ungewöhnliche Blickwinkel und setze gerne Objekte zueinander in Beziehung, die auf den ersten Blick nicht unbedingt zusammenpassen. Desweiteren beziehe ich gerne zufällig vorhandene Gegenstände mit in meine Fotos ein, Dinge, die eigentlich nicht dort hin gehören, wo sie sich gerade befinden - das können z.B. ein Stück Treibholz, ein abgestellter Einkaufswagen oder eine weggeworfene Flasche sein. Dabei lasse ich die Objekte so, wie ich sie vorgefunden habe und arrangiere sie nicht „künstlich“. Bei meinen Spaziergängen gehe ich oft dieselben Wege, aber ich habe festgestellt, dass es immer wieder Neues zu entdecken gibt. Mal ist es ein besonderer Lichteinfall, ein anderer Sonnenstand oder einfach nur eine hübsche Wolke, die den Blick auf Dinge lenken, die man bisher nicht bemerkt hat…oder aber die Dinge wahrhaft in einem „anderen Licht“ erscheinen lassen.
Fotos sind einzigartig…zumindest mir gelingt kein Foto ein zweites Mal. Licht, Schatten, Perspektive…ändern sie sich nur um Nuancen, ergibt das ein vollkommen anderes Bild. Auch das ist das Schöne an der Fotografie – es wird nie langweilig.
Die Möglichkeiten der Bildbearbeitung nutze ich auf verschiedene Art und Weise. Vor der einfachen Nachbearbeitung (Schärfe, Helligkeit, Kontrast etc.) bis hin zur Verfremdung der Fotos und der Komposition von Collagen und Bilderwelten. Die Arbeit mit dem Bildbearbeitungsprogramm ist für mich ein wenig wie die Malerei – man kann mit Farben und Formen spielen, Bilder aus verschiedenen Objekten zusammensetzen und so ganz neue Werke kreieren. Was Künstler früher mühsam mit vielen Skizzen entwarfen, kann man heute mit Hilfe des Bildbearbeitungsprogrammes relativ zügig realisieren. Und nicht zuletzt kann ich auf diese Weise meine Fotos auch als Vorlagen für meine Malerei nutzen."
Ausstellung
"KunstwandelBilk 2011" mit Fotografien von Susanne Behr
Bürgersaal Bilk, Düsseldorf Arcaden, Bachstraße 145 (über der Stadtteilbibliothek)
ab dem 1. Adventswochenende 2011, Freitag, 25. November, 18-22 Uhr
weitere Informationen unter www.kunstwandel-bilk.de
















